Fledermausforschung in der östlichen Wetterau


Über einen Zeitraum von mehr als neun Jahren wurden in der östlichen Wetterau systematisch Fledermäuse akustisch erfasst – nun liegen die Ergebnisse in einem umfassenden Abschlussbericht vor. Ziel der Untersuchungen war es, die heimische Fledermausfauna zu dokumentieren und insbesondere das Vorkommen der streng geschützten Mopsfledermaus zu überprüfen.


In der östlichen Wetterau wurden durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bezirk Büdingen unter Federführung von Adam Strecker aus Ranstadt, einem ehrenamtlichen Naturschützer, über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis hin zu acht Jahren akustische Messungen durchgeführt. Im Fokus der Auswertung standen 38 Messstationen mit langfristiger Datenbasis. Die Auswertung erfolgte mit Hilfe spezieller Programme, die die Rufe der Tiere grafisch sichtbar machen und eine Identifikation ermöglichen.

Mit Hilfe spezieller Ultraschalldetektoren konnten in der Region mindestens 18 Fledermausarten sicher nachgewiesen werden. An einzelnen Standorten wie dem Forsthaus Finkenloch und dem Steinbruch Michelnau wurden sogar über sieben bzw. acht Jahre hinweg Daten gesammelt. Besonders aktiv zeigten sich Arten wie die Mopsfledermaus, die Zwergfledermaus und Vertreter der Gattung Nyctaloide (Abendsegler) vor allem in waldnahen Bereichen. Die Daten geben detaillierte Einblicke in jahreszeitliche Aktivitätsmuster und Unterschiede in den verschiedenen Lebensräumen.

Auch im Winter ist die Welt der Fledermäuse in Bewegung: An mehreren Standorten konnten selbst in den Monaten Dezember bis Februar Aktivitäten nachgewiesen werden – ein Hinweis darauf, dass einige Arten auch im Winter nicht völlig inaktiv sind. Im Steinbruch bei Büdingen beispielsweise zeigten Nyctaloide (Zweifarbfledermäuse und Abendsegler) in über 80 Prozent der Nächte Aktivität.


Besonders bedeutende Lebensräume fanden sich an Standorten wie dem Bingenheimer Ried, dem Buntsandsteinbruch in Büdingen, der Hirtenwiese bei Eckartshausen, Thiergartenweiher in Büdingen, Eschberg bei Wallernhausen oder dem Steinbruch in Michelnau. Diese Biotope bieten über viele Monate hinweg hervorragende Jagd- und Quartierbedingungen und sind daher für den Schutz besonders wertvoll.


Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wälder und strukturreiche Landschaften spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben unserer heimischen Fledermausarten. Die Forstwirtschaft trägt dabei eine besondere Verantwortung. Strukturen wie alte Bäume, Waldränder oder Hecken leisten einen entscheidenden Beitrag zur Artenvielfalt – ebenso wie naturnahe Gärten oder begrünte Siedlungsräume. Das Forstamt Nidda übernahm für die Mopsfledermaus eine Artpatenschaft und unterstützte die Erhebungen. Unterstützt wurden die Untersuchungen auch von der Unteren Naturschutzbehörde und weitere Sponsoren.


Leider hat in den vergangenen Jahren die Attraktivität vieler Siedlungsbereiche für Fledermäuse deutlich abgenommen. Ursachen dafür sind versiegelte Flächen, kurz geschorene Rasenflächen, das Fehlen von Insektenlebensräumen sowie zunehmende Lichtemissionen in Wohngebieten. Auch das Entfernen alter Bäume und Hecken hat zu einem Verlust wichtiger Lebensräume geführt.

Deshalb ist es umso wichtiger, bestehende Verbindungsstrukturen zwischen Wald und Siedlung – wie Baumreihen, Hecken oder strukturreiche Gärten – nicht nur zu erhalten, sondern gezielt zu fördern. Diese sogenannten Leitstrukturen ermöglichen es den Fledermäusen, sich sicher zwischen Jagdrevieren und Quartieren zu bewegen.


Die umfangreichen Messungen in der östlichen Wetterau zeigen eindrucksvoll, wie wichtig eine vielfältige und strukturreiche Landschaft für die heimischen Fledermausarten ist. Sie liefern nicht nur wertvolle Erkenntnisse über das Vorkommen und Verhalten einzelner Arten, sondern unterstreichen auch die Bedeutung von gezieltem Arten- und Lebensraumschutz.


Der komplette Bericht (ca. 200 Seiten) kann per E-Mail ( adam_strecker@t-onine.de ) bei Adam Strecker angefordert werden.


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