Mausohrmonitoring 2022/2023


Bestandsdynamik der Wochenstubenkolonie im Burgturm in Lißberg

Quartierbetreuer: Adam Strecker


Überwachungstechnik: Chiro TEC, Karl Kugelschafter, Hollersgraben 27 35102 Lohra

Auswertung: Adam Strecker


Ziel der Untersuchung:


Der Burgturm in Lißberg, die evangelische Kirche in Schwickartshausen und die Klosterkirche in Engelthal

dienen schon lange dem Großen Mausohr als Sommerquartier. Die Bestände der Großen Mausohren

(GM) wurden ab 1997 in einem Monitoring in Hessen durch Hangplatzzählungen erfasst. Die

Zählung der adulten Weibchen erfolgte einheitlich im Mai jeden Jahres. Das Quartier in Lißberg wurde

noch Anfang der 1990 Jahre als Wochenstubenquartier mit einem mittleren Bestand genutzt. Die GM

verschwanden Mitten der 90er Jahre aus nicht geklärten Gründen fast vollständig. Nur noch vereinzelt

wurden im Burgturm ab 1997 GM angetroffen. Auch konnte durch eine Hangplatzzählung nicht alle

Fledermäuse eingesehen werden, weil eventuell in der nicht einsehbaren Zwischendecke GM vorhanden

sein konnten.

Erst ab dem Jahre 2017 wurde der Burgturm in Lißberg wieder von den GM besiedelt, nachdem das

Quartier in der Kirche in Lißberg durch nicht abschließend geklärte Ursachen (Störung durch Waschbären

und/oder Schäden im Dachfirst nach einem Sturm) nicht mehr im bisherigen Umfang genutzt

wurde.

Es ist deshalb für die lokale Population besonders wichtig, dass Störungen bzw. Unregelmäßigkeiten in

der Quartiernutzung in Lißberg frühzeitig erkannt werden, um den Bestand dauerhaft zu erhalten.

Am 14. April wurde deshalb eine spezielle Fledermausüberwachungseinrichtung (Fledermauslichtschrankensytem)

installiert, um die Ein- und Ausflüge täglich zu dokumentieren.

Das Lichtschrankensystem, bestehend aus einer Fledermauslichtschranke und einem Logger (Tricorder

9008e). Die Registrierung alle Ein- und Ausflüge erfolgt sekundengenau.

Die Fledermauslichtschranke verfügt über zwei Strahlenvorhänge aus jeweils 16 Einzelstrahlen. Anhang

einer logischen Unterbrechungsabfolge erkennt das System, ob es sich um einen Ein- oder einen

Ausflug handelt.

Komplettiert wird das Überwachungssystem durch ein Datenfernübertragungseinheit, Sie ermöglicht

den Zugriff auf die Tricorder 9008e und verschickt gleichzeitig jeden Morgen eine E-Mail mit den tagesaktuellen

Daten.

Neben Bestandsdaten vermitteln die Lichtschrankendaten einen differenzierten Einblick in die saisonale

wie auch nächtlichen Aktivität an der Einflugöffnung. Erkannt werden kann beispielsweise anhand

der Zwischeneinflüge der Geburtsphase, das Flüggewerden der Jungtiere genauso wie nächtliche

Störereignisse.



Bestandsentwicklung der Mausohrkolonien im Wetteraukreis auf Basis von Hangplatzzählungen

(1997-2023) bzw. einer automatisierten Bestandsermittlung im Burgturm in Lißberg ab 2022.


Kontrollen:


14.04.22 Installation der Fledermausüberwachungsanlage

17.05.22 Ausflugkontrolle zur Beurteilung von Lichteinwirkungen der vorhandenen Strahler,

(siehe separaten Kurzbericht)

20.7.22 Hangplatzzählung (Summe 228, Alttiere 65, Jungtiere 163, Lichtschranke 222)

01.08.22 Bestandskontrolle (keine Mausohren anwesend, Hornissennest im Türbogen)

11.11.22 Reinigung Dachboden Fledermausquartier

20.03.23 Kontrolle Fledermausquartier (ein Großes Mausohr sichtbar)

10.10.23 Bestandskontrolle (kleine Mausohrgruppe noch anwesend)

11.11.23 Reinigung Dachboden Fledermausquartier


Besiedlungsverlauf:


Jahr 2022 2023


Beginn der Geburtsphase: 30. Mai 8. Juni

Beginn des Jungtierausfluges: ca. 30. Juni 8. Juli

Maximale Anzahl der

einfliegenden ad. Mausohren: 397 (2.Juni) 340 (24. und 25. Mai)

Maximale Anzahl

Weibchen und Jungtiere: 546 (9. Juli) 524 (26.7)

Durchschnittliche Anzahl

ad. Mausohrweibchen: 381 323

(berechnet über dem Mittelwert der 10 höchsten Werte vor der Geburt der Jungtiere)

Abwanderung: 6.Juli 2022

Wegen Hornissen) Ende Oktober 2023


Ergebnisse:

Nutzung des Burgturmes in Lißberg durch das Große Mausohr im Jahr 2022 und 2023 auf der

Basis von bilanzierten Lichtschrankenregistrierungen

Diskussion:

Im Vergleich des Wochenstubenbestand 22 zu 23 kann festgestellt werden, dass die Wochenstube in

2023 ca. 2 Wochen später komplett besetzt war. Auch der Bestand an adulten Weibchen war geringerer.

Der Geburtstermin und der erste Ausflug der Jungtiere war entsprechend um ca. eine Woche später.

In 2022 kann von ca. 200 ausgeflogen Jungtiere und in 2023 von ca. 240 ausgeflogenen Jungtieren

ausgegangen werden. Nach den ermittelten Ausflugszahlen kann allerdings abgeschätzt werden, dass

der Anteil ausgeflogene Jungtiere zum Bestand der ad. Weibchen nach Geburt in 2023 größer war als

in 2022. In 2022 kann von ca. 56% und in 2023 mit ca. 74% geschätzt werden.