Ergebnisse der Fledermausuntersuchung am Eschberg und Umgebung


Im Gegensatz zu anderen Tiergruppen (etwa Vögel), sind Fledermausvorkommen aufgrund der methodischen Schwierigkeiten wenig untersucht. Die nachtaktiven und sehr mobilen Fledermäuse erfordern zeitintensive und technische Beobachtungsmethoden, deshalb sind die Fledermausarten und ihre Aktivitäten im Einzelnen in unseren Wäldern wenig bekannt. Die durchgeführten Fledermauserkundungen sollen dazu beitragen, den Wissenstand im Bereich des Eschberges und Umgebung wesentlich zu verbessern


Die umfangreichen Untersuchungen erforderten eine Vielzahl von Tätigkeiten, die ein ehrenamtlich tätiger Fledermausschützer nicht alleine bewältigen kann. Das die interessante Erkundung am Eschberg und Umgebung durchgeführt werden konnte ist vielen Förderer und Helfer bei den Arbeiten vor Ort sowie bei der Auswertung der aufgenommenen Daten zu verdanken.

Das Untersuchungsgebiet befindet sich im Waldgebiet um den Eschberg, der höchste Erhebung der Stadt Nidda. Das Forstamt Nidda hat in diesem Gebiet seit Jahrzehnten die Belange des Natur-und Artenschutz berücksichtigt, eine Kernfläche mit 230 jährigen Buchen ist vorhanden, der restliche über 100 jährigen Waldbereich wird nach dem Grundsatz der „Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e.V.“ bewirtschaftet, , in und außerhalb des Waldes wurden ca. 30 Feuchtgebiete angelegt. Das Waldgebiet um den Eschberg bietet deshalb Nahrungshabitate und eine Vielzahl von notwendigen Quartierbäumen für die vorhandenen Fledermausarten an.


In diesem Bereich werden Flächen für Windkraftanlagen im Auftrag der Stadt Nidda betrachtet. Ein Gutachterbüro führte mit geringfügigen Aufwand Untersuchungen durch. Die von SDW-Nidda und AGFH ermittelten umfangreichen Ergebnisse werden deshalb ergänzend für eine abschließende Beurteilung dem Gutachterbüro zur Verfügung gestellt.

Fledermäuse orientieren sich anhand von Ultraschallrufen, die in der Regel für Menschen nicht hörbar sind, die aber mit Fledermausdetektoren empfangen, für den Menschen hörbar gemacht und registriert werden können. Diese Rufaufzeichnungen können unter Zuhilfenahme eines entsprechend geeigneten Analysenprogramms einer Fledermausart oder der Gattung zugeordnet werden und deren Aktivitäten (Rufsequenzen) ermittelt werden. Die Anzahl der Rufsequenzen beschreibt die Häufigkeiten (Aktivität) von Aufenthalten einer Fledermaus im Erfassungsbereich eines Detektors.

In der Summe wurden mit Detektoren in ca. 1000 Nächten Fledermausarten stationär erfasst. Maximal wurden 9 Detektoren gleichzeitig eingesetzt. Aus über 300.000 Rufaktivitäten und an 44 Messpunkten wurden die Ergebnisse im vorliegenden Bericht dargestellt. Der Messzeitraum für die diskontinuierlichen Detektorstandorte betrug 3 bis 73 Nächte. Nur am Forsthaus Finkenloch wurde kontinuierlich ab dem 27. April 2015 durchgehend, auch im Winter 2015/16 und weiter gemessen.

Im Bericht wird der jahreszeitliche Verlauf der Aktivitäten, die Häufigkeiten der Arten, Hotspots der einzelnen Arten und sonstige für den Fledermauskundler wichtige Daten dargestellt.

 

Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass 15 Fledermausarten im Bereich der Detektorstandorte vorkommen. Folgende Arten wurden sicher ermittelt:


Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler, Breitflügelfledermaus, Rauhautfledermaus , Zwergfledermaus, Mückenfledermaus, Großes Mausohr, Fransenfledermaus, Bartfledermaus , Wasserfledermaus, Bechsteinfledermaus, Nymphenfledermaus, Graues Langohr, Braunes Langohr und Mopsfledermaus.


Nach den durchgeführten Untersuchungen zeigte die Zwergfledermaus erwartungsgemäß die höchsten Flugaktivitäten an allen Messstellen. Die Zwergfledermaus wurde flächendeckend im Untersuchungsgebiet mit einer hohen bis äußerst hohen Aktivität festgestellt, sie nutzt den Wald im Untersuchungsgebiet als Jagdgebiet. Weiterhin wurde eine sehr hohe Individuendichte für Langstreckenwanderer bzw. hoch fliegende Arten (Abendsegler, Rauhautfledermaus und Breitflügelfledermaus) nachgewiesen, die mit einem sehr hohen Konfliktpotenzial gegenüber Windkraftanlagen behaftet sind.

Die zur Gattung der der Myotisfledermäuse gehörenden ausgesprochenen Waldfledermäuse (Fransenfledermaus, Wasserfledermaus, Bechsteinfledermaus usw.) wurden ebenfalls mit äußerst hoher Aktivität im Wald und am Waldrand ermittelt. Auch das Große Mausohr von der großen Wochenstube in Schwickartshausen jagt häufig im Wald um den Eschberg.

Unerwartet und sehr positiv ist das Vorkommen von Mopsfledermäusen zu werten. Diese sehr seltene Fledermaus wurde von Mai bis Juni und von Mitte Juli bis Mitte November fast regelmäßig ermittelt. Die Mopsfledermaus befindet sich in Hessen in sehr ungünstigen Erhaltungszustand und besitzt den höchsten Schutzstatus aller Fledermäuse in Hessen. Zum Status der der Mopsfledermaus werden noch weitere Untersuchungen im Jahr 2016 durchgeführt. Im März und April 2016 wurde eine äußerst hohe Aktivität der Mopsfledermaus gemessen, so dass ein Quartier der Art im Bereich des Eschberges vermutet werden kann.

Eine Ausweisung als Vorrangfläche für WKA würde alle bisherigen Bemühungen um den Erhalt der großen Population der Großen Mausohren und sonstiger diverser Fledermausarten in Frage stellen.


Die Ergebnisse zeigen, dass mit der Planung von WKA im Wald am Eschberg ein sehr hohes Konfliktpotenzial gegenüber der vorhandenen Fledermauspopulation zu erwarten ist. Weiterhin ist das untersuchte Waldgebiet um den Eschberg für die lokale Fledermauspopulation von sehr großer Bedeutung. Die Errichtung von Windkraftanlagen wird den derzeitigen Erhaltungszustand deutlich negativ beeinflussen.


Der Waldbereich um den Eschberg ist als besonders schützenswert einzustufen und für die Nutzung für Windenergie  aus Sicht der SDW-Nidda und AGFH nicht zur Verfügung zu stellen.


Der komplette Bericht kann per E-Mail bei Adam Strecker angefordert werden

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